CO₂ nach Sektoren

Der Blick auf die offiziellen Daten des Umweltbundesamtes zeigt deutlich, wo die Hebel für eine echte Klimawende liegen. Gehen wir die einzelnen Sektoren rechnerisch durch:

1. Sektor Verkehr: Der größte Brocken

Der Verkehrssektor macht absolut den größten Batzen aus und weist prozentual den höchsten Verbrauch an fossiler Energie auf: Satte 725 TWh. Da diese Energie zum weitaus größten Teil in klassischen Kolbenmaschinen (Verbrennungsmotoren) verpufft, die im Alltag meist keine Rekuperation leisten und einen extrem schlechten Wirkungsgrad haben, lässt sich hier massiv einsparen.

Ersetzt man diese Flotte konsequent durch batterieelektrische Fahrzeuge (Wirkungsgradfaktor ca. 3), schrumpft der reale Bedarf auf nur noch 241 TWh Strom zusammen.

2. Sektoren Haushalte & Gewerbe/Handel/Dienstleistungen (GHD)

Hier schlagen Raumwärme und Warmwasser massiv zu Buche:

  • Private Haushalte: Verbrauchen ca. 550 TWh (hauptsächlich für Wärme). Mit dem konsequenten Einsatz von Wärmepumpen lässt sich dieser Bedarf durch den physikalischen Umweltwärme-Gewinn locker durch 3 teilen, was uns auf 183 TWh bringt.
  • Gewerbe, Handel, Dienstleistungen: Verbrauchen rund 380 TWh. Da hier der genaue Anteil von reiner Raumwärme im Vergleich zu anderen Prozessen schwerer zu beziffern ist und bisherige fossile Heizungen zudem keinen 100-prozentigen Wirkungsgrad erreichen, nehme ich auch hier vorsichtig einen Teiler von 3 an. Das reduziert den Sektor auf ca. 126 TWh.

Hinweis zum Wirkungsgrad von Wärmepumpen: Mancher mag einwenden, dass Wärmepumpen ohne 100% erneuerbaren Strom keinen Sinn ergeben. Doch selbst im schlimmsten anzunehmenden Fall (reiner Kohlestrom mit 40% Kraftwerks-Wirkungsgrad multipliziert mit der Leistungszahl 3 der Wärmepumpe) landen wir bei einem Gesamtwirkungsgrad von über 120% bis 130%. Das ist immer noch deutlich effizienter als jede moderne Gas-Brennwerttherme.

3. Sektor Industrie: Die Wasserstoff-Herausforderung

Die Industrie schlägt mit 400 TWh zu Buche und ist der komplizierteste Sektor. Hier wird sehr viel Hochtemperatur-Prozesswärme benötigt – Dinge, die man nicht einfach direkt elektrifizieren kann (wie das Befeuern eines Hochofens in der Stahlproduktion).

Hier wird synthetischer Wasserstoff (H₂) unverzichtbar sein. Rechnet man im Worst Case mit den vollen 400 TWh und kalkuliert für dessen Erzeugung und Handhabung weitere 10% Wandlungsverluste ein, landen wir bei einem Bedarf von 440 TWh.

Zusammenfassung: Der neue Energie-Fahrplan

Rechnet man die transformierten Sektoren zusammen, ergibt sich ein völlig neues Bild für den deutschen Energiebedarf:

Sektor Fossiler Ist-Zustand Elektrifiziert / Saniert
Verkehr 725 TWh 241 TWh (Faktor 3 durch BEV)
Haushalte 550 TWh 183 TWh (Faktor 3 durch WP)
Gewerbe & Handel (GHD) 380 TWh 126 TWh (Faktor 3 durch WP)
Industrie 400 TWh 440 TWh (inkl. H₂-Wandlung)
Gesamtbedarf 2055 TWh 990 TWh

Das bedeutet: Allein durch den konsequenten Umstieg auf hocheffiziente Technologien wie Wärmepumpen und Elektromobilität können wir den energetischen Gesamtbedarf Deutschlands von über 2000 TWh auf unter 1000 TWh mehr als halbieren! Das macht die Energiewende überhaupt erst realistisch machbar.